»Des Pudels Kern« –
Vittoria – Julia Rebentisch


Schriften zeichnen sich aus durch unterschiedliche Anatomie, ausdrucksstarke Details und spezifische Formverhältnisse in ihren Glyphen. Im Zusammenspiel ergeben diese einen eindeutigen Schriftcharakter, schaffen ein einzigartiges Schriftbild. Durch unterschiedlich starke Ausprägung oder Gewichtung, können diese individuellen Merkmale aber auch vom ursprünglichen Duktus abweichende Wirkungen erzeugen. So kann eine beliebige Schrift Inspiration und Initial sein. Zitat und Innovation geben sich dabei die Hand und bilden etwas Neues.

Was passiert, wenn man vorgegebene schriftspezifische Form- und Gestaltelemente separiert, verstärkt, umkehrt, karikiert, interpretiert und so neue Typen schafft, zeigt die Schrift »Vittoria«.

Der Ursprung, das Initial (Priori Serif von Emigre) ist stets greifbar, trat im Laufe der Entwicklung aber immer weiter in den Hintergrund! Auch wenn zentrale Merkmale wie eine eher sperrige Grundkonstruktion, das Wechselspiel von weichen und kantigen Formen, Brüche, abgeknickenden oder im Fluss unterbrochene Bögen bewahrt wurden, ist mit der Vittoria nun eine Schrift entstanden, die durch Eleganz und Grazie besticht – ohne den notwenigen markanten Charakter vermissen zu lassen.

Das wohl auffälligste an der Vittoria, die am ehesten als klassizistische geometrisch-konstruierte Antiqua-Variante zu beschreiben wäre, sind der extreme Strichstärkenkontrast, das Wechselspiel von teils gefälligen, teils sperrigen Formelementen und der durch die großen Formen leicht zu übersehende Detailreichtum.

Neben einem aufrechten Roman-Schnitt liegt die Vittoria auch noch als Italic vor. Ein Bold-Schnitt ist derzeit in Arbeit.

Betreuung: Dipl. Des. Guido Schneider