Irritation


Entwicklung einer „Nicht“-Schrift | 3. Semester

„Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist Schrift.“

Wir lesen, erfassen schwarz auf weiß erlernte Zeichen, so genannte Buchstaben, die sich optisch aneinanderreihen zu Strukturen, deren Sinn wir decodieren können, deren Aussage sich uns erschließt. Kommunikation durch visualisierte Sprache. Doch Kommunikation ist komplexer, mehr als es auf den ersten Blick scheint, mehr als diese Zeichen buchstäblich vermitteln. Vieles erschließt sich erst, wenn „zwischen den Zeilen“ gelesen wird.

Diese wichtige semantische Spielart der Kommunikation bildet den Ausgangspunkt für die Entwicklung der „Nicht“-Schrift. Die Betrachtungsweise richtet sich auf die verborgenen Formen der Zeichen, die normalerweise unsichtbaren Bereiche eines Buchstaben, die ihn ebenso ausmachen, wie die sichtbaren. Das heißt, die Bedeutung steckt nicht in der eigentlichen Zeichenstruktur, sondern in dem, was sie im Hintergrund freilässt. Der formale vordergründige Ausdruck dieser „Nicht“-Schriften zeichnet sich durch interessante, ornamental wirkende, jedoch nicht decodierbare Strukturen aus. Die zu vermittelnde Botschaft der Schriftzeichen befindet sich in einer hintergründigen Bedeutungsebene, bestehend aus Zwischenräumen und Punzen.

Insgesamt elf Studierende (Anna Arndt, Mareike Brandt, Mats Claußen, Nicole Gembries, Sabine Gratza, Stefanie Koch, Svenja Lüker, Diana Schmitz, Miriam Schneider, Laura Schunk, Carina Trapp) der Hochschule Niederrhein zeigen mit ihren Ergebnissen, das sich diese ungewöhnlichen Kommunikationsmittel in unterschiedlichen syntaktischen Ausdrucksformen erstellen lassen. Die Gestaltungsvielfalt der uns bekannten Schriftarten spiegelt sich auch in deren Umgebungsformen wider und bietet hier eine breite Basis für die „Nicht“-Schriften, ein Spektrum von kantig hart bis fließend weich, von statisch konventionell bis unorthodox und dynamisch.

Resultierend ergibt sich durch die „Nicht“-Schriften eine neue Art zu Schreiben, eine, deren Botschaft sich erst auf den zweiten Blick erschließt und die dadurch selbst simple Inhalte optisch interessant darzustellen vermag.

Modul 8 | 850 – Typografie 2 | Schriftentwurf – Betreuung: Dipl. Des. Fachlehrer Hartmut Schaarschmidt

Pressemeldung:http://worldfamousdesignjunkies.com/typography/absence-to-negative/