Sampling Text – Konzeption und Entwurf einer Publikation
zum Thema Lesen – Svenja Lüker

Wir sehen ein Buch, lesen den Titel und werden neugierig. Dann schlagen wir es auf und blättern es durch. Im Optimalfall beschließen wir es zu lesen oder aber wir stellen es wieder ins Regal zurück. Obwohl wir noch nichts vom eigentlichen Text gelesen haben, haben wir uns entschieden.

Denn in der visuellen Anmutung eines Textes schwingt für uns auch sein Inhalt mit. Bei einem Lexikon zum Beispiel sind es die Informationen, die wir suchen. Deshalb macht es uns gar nichts aus, dass wir hier mit einer kleinen Schrift zu tun haben und schmalen Textspalten, denn flüssiges Lesen ist hier gar nicht vorgesehen, wir konsultieren den Text ganz gezielt. Bei einem Roman ist es die Geschichte, die uns Seite für Seite unterhalten soll – diese muss in einer angenehmen Lesegröße und Spaltenbreite gesetzt werden, dass flüssiges und ungestörtes Lesen möglich ist.

So hat jeder Text seine eigene formale Tonalität, die in uns inhaltliche Erwartungen weckt. Und wir sind es gewohnt, dass diese auch erfüllt werden. Dadurch ist uns der Zusammenhang zwischen Form und Inhalt gar nicht mehr wirklich bewusst und wir hinterfragen ihn nicht mehr.

Aber was passiert, wenn unsere Erwartungen nicht erfüllt werden? Auf den ersten Blick ist alles wie gewohnt. Doch wir stolpern und setzen immer wieder neu zum Lesen an. Wir fangen an erst uns selbst und dann den Text zu hinterfragen. Und genau das soll in diesem Buch passieren. Es bricht unsere inhaltliche Erwartungen und macht sie so erfahrbar. Wir merken, dass wir uns von der formalen Tonalität haben leiten lassen und wir lernen, dass diese durch Lesearten erzeugt wird und wie diese funktionieren.

Betreuung: Prof. N. Gummert-Hauser und Dipl.-Designer Thomas Junold