Verstehen aus Versehen – Sonja Kreft

Konzeption und Entwurf von innovativen schulischen Lehrmitteln
zur Förderung des Lernprozesses

Diplom

„Uhaa, Mathe! Herrgottnocheins, was bin ich froh, wenn ich das hinter mir hab!“ Eine ganz gewöhnliche Reaktion auf ein handelsübliches Schulbuch.

Aber weshalb ist das so?
„Da findste nix. Die Erläuterungen sind alle total unübersichtlich. Und überhaupt: Die Aufgaben in den Büchern haben doch nix mit meinem Leben zu tun. Das macht doch keinen Spaß sich damit auseinander zu setzen! Und aus welchem Grund lerne ich das alles?“

Das klingt nicht nach Förderung des Lernprozesses sondern vielmehr nach Förderung von Widerwillen. Schaut man sich auf dem deutschen Schulbuchmarkt um, so findet man hauptsächlich Schulbücher, die diesem Bild entsprechen. Aber geht es denn wirklich nicht anders?

Sicher! Lehrstoff bleibt Lehrstoff. Aber die Art der Vermittlung lässt sich durchaus so ändern, dass dem Schüler ermöglicht wird, aus Versehen zu verstehen. Am Beispiel eines Mathematik- und eines Biologiebuchs für die siebte Klasse des Gymnasiums wird das dargelegt. Das System lässt sich auf die gesamte Sekundarstufe I ausweiten.

1. Lernen erleichtern

Ziel ist es, dem Schüler die zu lernenden Informationen strukturiert zu vermitteln und ihm permanent Übersichtlichkeit in den Lehrmaterialien zu bieten. So werden sämtliche Erläuterungen in einem Erläuterungsbuch zusammengefasst. Am Anfang eines jeden Kapitels findet der Schüler eine kurze Einführung in das Kapitel. Hier wird ihm erklärt, was genau auf ihn zukommt und welchen Nutzen es für ihn hat, diese Inhalte zu lernen.

Die Aufgaben zu den jeweiligen Kapiteln des Erläuterungsbuchs findet der Schüler in einem separaten Aufgabenheft. Durch ein Navigationssystem, dass sich sowohl in den Erläuterungsbüchern als auch in den Aufgabenheften befindet und eine klare Farbkodierung, wird ein leichtes Zurechtfinden ermöglicht.

2. Informationen veranschaulichen

Ein wichtiges Element der Lehrmaterialien ist das Bildkonzept. Hierüber soll eine Bindung zwischen Schulbuch und Schüler geschaffen werden. Dem Schüler wird eine Art Daily-Soap geboten. Die vier Protagonisten des Bildkonzepts, zwei Jungen und zwei Mädchen, sind mit überdimensionalen weißen Pappbrillen und weißen Anzügen als Wissenschaftler verkleidet. Sie sind, entsprechend der Klassenstufen, im gleichen Alter wie der Schüler, der das Buch in den Händen hält. Ergänzend zu den Erläuterungstexten illustrieren sie abstrakte Inhalte auf humorvolle Art. Die Abbildungen bieten durch ihre Reduziertheit die Möglichkeit, als Esels-brücken zum Lehrstoff verwendet zu werden.

In den Büchern für das Fach Biologie finden zusätzlich Schemazeichnungen Verwendung, um auch komplexen Abläufen gerecht werden zu können.

3. Selbsttest

Den Aufgabenheften ist ein Belohnungssystem zur Selbstreflektion beigefügt. Nach eigenem Ermessen kann der Schüler bewerten, mit welchen Aufgaben er gut beziehungsweise weniger gut zurecht gekommen ist.

Zum Selbsttest dient auch die entwickelte Onlineplattform „Postermaschine“. Hier kann sich der Klassenverband anmelden. Ein Forum, dass nach Belieben unter der Leitung des Lehrers geführt werden kann, dient dazu über den Unterricht hinaus offene Fragen zu diskutieren. Das eigentliche Herzstück dieser Plattform ist jedoch, wie der Name schon Preis gibt, die Postermaschine. Hier werden dem Schüler sämtliche Abbildungen aus den Schulbüchern zur Verfügung gestellt. Er kann sich so sein individuelles Lernposter zusammenstellen. Sofern der Schüler das zulässt, hat der entsprechende Fachlehrer Zugriff auf die erstellten Poster und kann diese kommentieren und verbessern, falls nötig.

Betreuung: Prof. Nora Gummert-Hauser und Prof. Silvia Beck