UNGLEICH
Konzeption und Entwurf eines Kommunikationsmediums zum Thema Gewalt – Paul Pagel

BA-Thesis

Horrorfilme und Killerspiele als Sündenbock: Oft hören oder lesen wir, dass bereits die Rezeption von Mediengewalt die Ursache für Gewalt und Kriminalität ist. Mediengewalt wird in der öffentlichen Meinung und in der Politik als die Wurzel allen Übels gesehen. Das Verbot dieser wird als Lösung erklärt.

Besonders der Boulevardjournalismus der BILD-Zeitung fördert den Stereotyp des zumeist jugendlichen Killerspiele-Fans als potentiellen Amokläufer. Sie lenkt von den wirklichen Ursachen ab und trägt damit nicht zu einer demokratischen, an Fakten orientierten öffentlichen Debatte bei. Paradoxerweise nutzt die BILD gleichzeitig gewalthaltige Inhalte, wenn sie über die „schlimmsten“, „bösartigsten“ „Horror“-Nachrichten, berichtet.

Doch werden wir wirklich, was wir sehen? – macht uns Mediengewalt aggressiv?

Als Sonderbeilage für die FAZ entwerfe ich ein Medium, das massenmediale Darstellung und wissenschaftliche Berichterstattung in zwei Layout-Varianten vereint.

Eine seriöse BILD-Zeitung also oder gar eine Kopie? Nein. Es ist eher die Ironie an und über den Boulevardjournalismus, der mit Hilfe seiner eigenen aufmerksamkeitserzeugenden Mechanismen gehalten wird. Auf den ersten Blick ist es vielleicht „typisch BILD“. Beim zweiten nicht mehr: Formal wechseln sich neutrale Darstellung mit dem Layout des Boulevardjournalismus ab, inhaltlich verknüpft durch eine komplexe Sprache. In visuellen Zitaten werden die Mechanismen der „Klatschpresse“ auf den Punkt gebracht, in dem ich wissenschaftlich differenzierte Sachverhalte zum Thema Mediengewalt mit dem Layout der bekannten BILD verknüpfe.

Das Ziel ist es, auf die widersprüchliche und „ungleiche“ Berichterstattung der Boulevardmedien hinzuweisen, sowohl visuell als auch inhaltlich. Dem Leser wird die Möglichkeit geben, über die Zusammenhänge von realer Gewalt und Mediengewalt und der Darstellung in den Boulevardmedien nachzudenken.

Betreuung: Prof. Nora Gummert-Hauser und Dipl. Des. Reinhold Scheer