„Konzeption und Entwurf von Lernmaterialien zum Spracherwerb" – Kerstin Oberdörfer

BA-Thesis

Die Natur will, daß die Kinder Kinder seien, ehe sie Erwachsene werden. – Jean Jacques Rousseau (1712–1778)

Im Rahmen ihrer interdisziplinären wissenschaftlichen Arbeit beschäftigte sich Kerstin Oberdörfer mit dem Thema „Lernen – Informationsaufnahme, -verarbeitung und -vermitt-
lung". Eine Schlussfolgerung ihrer Analyse bestand in der Tatsache, dass ein Kind nur dann einen Zugang zu logischem Denken entwickeln kann, wenn eine ausreichende sprachliche Entwicklung stattfindet, die mit einer entsprechenden sozialen Interaktion verbunden ist. Behindert wird diese Entwicklung auch durch ein Klima von Repression und Angst, welches heute noch häufig an unseren Schulen anzutreffen ist. Zitat Oberdörfer: „Der Umstand, dass Schüler in Deutschland sich offensichtlich in ihren Klassenzimmern und in ihrer Klassen-
gemeinschaft nicht wohlfühlen, wirkt umso problematischer, als dadurch nicht nur die Vermittlung fachlicher Inhalte leidet, sondern gleichzeitig auch die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Gerade der letzte Punkt bekommt dadurch zusätzliche Bedeutung, dass sich in den Klassen heute vermehrt Schüler unterschiedlichster Kulturkreise wiederfinden.“

Genau diesen Aspekt – die Entwicklung sozialer Kompetenzen verbunden mit der Freude am Lernen einer Sprache – stellt Frau Oberdörfer in das Zentrum ihrer konzeptionellen Arbeit.
Sie entscheidet sich für die Zielgruppe von 5-7 jährigen Kindern und gestaltet Lehr- und Spielmaterialien zum Spracherwerb für den Einsatz in Kindergärten, Vorschulen, Grund-
schulen oder Kindertageseinrichtungen. Sie entwickelt und gestaltet zweisprachige Wort- und Bildtafeln, die als Gedächtnisspiel, als Zuordnungsspiel, als Sortierspiel, und als Erzählspiel anwendbar sind.

Informationen werden nicht nur nicht nur faktisch erläutert, sondern emotional lesbar gemacht. Der Einsatz aller gestalterischen Parameter wie z.B.. Farbe, Illustration und Typografie, die Art der Anwendung auf Sprachkarten, der vielfältige – vor allem auch inhaltlich vielfältige Einsatz der Karten durch Kombinationen, die Entwicklung der Lernuhr, der Einsatz der Magnetfolie zum Austausch von Satzteilen und zum Abdecken für Rätsel-
spiele, zeigt das Können von Kerstin Oberdörfer. Die Arbeit ist von hoher sozialer und gesellschaftlicher Relevanz.

Von welcher Brisanz dieses Thema für unsere Gesellschaft ist, spiegelt folgendes Zitat wider aus einer Studie des Bundesministeriums für Forschung und Bildung aus dem Jahr 2011:
„Deutlich höher als bislang vermutet ist die Zahl der funktionalen Analphabeten: Etwa 7,5 Millionen beziehungsweise 14 Prozent der erwerbsfähigen Deutschen können zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, nicht jedoch zusammenhängende, auch kürzere Texte wie zum Beispiel eine schriftliche Arbeitsanweisung verstehen. Eine angemessene Form der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist beim funktionalen Analphabetismus nicht möglich.“ (Quelle: http://www.bmbf.de/de/426.php)

Betreuung: Prof. N. Gummert-Hauser und Prof. Dr. Ch. Jasmund (Fachbereich Sozialwesen)