Ich bin Klaus und Messie – Geschichten aus dem Chaos –
Julia Vater

Diplom

Schlagzeilen wie: »85-jährige Frau unter Müll begraben« lesen wir heute immer wieder in der Zeitung. Schlagzeilen über Menschen, die in ihren völlig verwahrlosten Wohnungen leben. Reportagen im Fernsehen zeigen Wohnungen die vollständig mit Müll angefüllt sind – den isolierten Menschen in diesem Elend betiteln sie als Messie. Doch was für Menschen sind eigentlich Messies? Und was geht in ihren Köpfen vor, dass sie so leben? Die meisten von uns stellen sich einen Messie ungepflegt, faul und arbeitslos vor. »Das sind doch einfach nur Menschen, die zu faul sind ihren Dreck wegzuräumen.«

Doch die wenigsten wissen: Der typische Messie ist vielseitig interessiert, sozial engagiert, perfektionistisch veranlagt und beruflich oft sehr erfolgreich! Sie sind unter uns. Arbeiten mit uns. Mittlerweile leiden 2,8 Mio. Deutsche an dem Messie-Syndrom. Sie scheinen nach außen ganz normale Menschen zu sein. Leben aber mit der ständigen Angst, von Kollegen, Freunden oder Verwandten als »ekliger Schmutzfink« entlarvt zu werden. Um die Messies wirklich verstehen zu können nahm ich in einem Internet-Forum Kontakt zu Messies auf und las ihre Geschichten, die mich sofort sehr berührten und verstehen ließen, wie sich so ein Messie wohl fühlen muss.

Die häufigsten Gründe für das Sammeln sind der Tod des Partners, nach einer Scheidung oder auch nach Geburt eines Kindes. Die angesammelten Gegenstände sind oft eine Art Schutz. Messies überfordern sich ständig selber, da sie denken, sie müssten perfekt sein. Häufig versuchen sie in Nacht- und Nebelaktionen ihre Wohnung in Ordnung zu bringen, was ihnen natürlich nicht gelingen kann. In den meisten Fällen geben sie auf und fühlen sich wie betäubt, blenden den ganzen Müll einfach aus.

Entstanden ist ein Schuber mit fünf verschiedenen Heften, die fünf dieser Geschichten erzählen. Es stellte sich mir die Frage, wie kann ich diese Geschichten dem Betrachter am wirkungsvollsten vermitteln? Und so entstand meine Leitidee zu der ganzen Arbeit: »Überforderung«. Der Betrachter wird beim Lesen der Geschichten ein Stück weit (genau wie die Messies) überfordert werden, um alles nachvollziehen zu können. Er muss diese Überforderung selber spüren und erleben.

Betreuung: Prof. Nora Gummert-Hauser und Dipl. Des. Thomas Klefisch