Glück. Ein Kompendium – Hanady Gamgoum

BA-Thesis

Die alltägliche Anforderung des Menschen, Entscheidungen treffen zu müssen, gibt mir den Antrieb, das komplexe Konstrukt der Extreme zu untersuchen. Ob im Traum, morgens beim Zähne putzen, mittags auf der Toilette, unter der Dusche oder im Bus auf dem Weg zur Arbeit plagt sich der gemeine Bürger mit mehr als einer Hand voll wichtiger und unwichtiger Fragen, die er dann und wann beantworten muss. Esse ich heute Salat oder Pizza? Ziehe ich meinen Wintermantel an oder greife ich doch lieber zu meiner Sommerjacke? Stecke ich mir die Haare hoch oder lasse ich sie herunterhängen? Ist mir zu warm oder zu kalt? Der Apfel zu süß, sauer, zu saftig oder zu mehlig? Finde ich das orange-rot-karierte Hemd schön oder hässlich? Entscheidungen sind, ob man sie laut oder leise, mit anderen oder sich selbst ausdiskutiert, 24 Stunden und 7 Tage die Woche existent. Stets bewegt sich der Mensch dabei in einem Entscheidungsspielraum zwischen einem Zuviel und einem Zuwenig. Interessant wird es, wenn die „goldene Mitte“, die als Schnittmenge zweier Pole beschrieben werden kann, untersucht wird. Es ist eine Stelle, an der die Extreme nicht mehr spürbar sein dürften. Ein Ort an dem ein Zuviel und Zuwenig nicht existiert. Die Frage ist: Ist das der ideale Mittelweg? Gibt es diesen überhaupt? Wenn ja, wie, wann und vor allem wo ist die untrügliche und richtige Lösung, das ,genau richtig‘? Und diesen Gedanken weiterführend: Wohnt der goldenen Mitte automatisch das Glück inne? Es ist erstaunlich, dass – auch wenn Glück in aller Munde ist – doch keiner eine glaubhafte, greifbare und vor allem allgemein gültige Antwort auf die Frage hat, was Glück eigentlich sei. Möglicherweise ist dies der Grund für die Glorifizierung des Glücksbegriffs.

Die Nikomachische Ethik von Aristoteles, die als Grundbaustein meiner Arbeit bezeichnet werden kann, führt mich neben anderer Recherche zu der These „Glück als Extrem.“ Daraus entwickelte ich ausgehend von der Komplexität den Begriff des Facettenauges als visuelle Leitidee. Es wird versucht, die vielseitigen Betrachtungsmöglichkeiten, die es gibt, simultan zusammenzuführen, und somit einen Überblick zu verschaffen, der es dem Rezipienten ermöglicht, sein persönliches Bild von Glück zu vervollständigen. Mein Ziel ist es, das Glück mit Hilfe unterschiedlicher Punkte zugänglicher zu machen, – aus vielen verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und das Glück als Extrem verständlicher zu machen. Die Arbeit verfolgt den Anspruch, sich einer Entmystifizierung anzunähern, ohne jedoch den Glanz des Glückes nehmen zu wollen. Sie soll weder Anleitung, noch Beschönigung sein. Sie macht sich zur Aufgabe, den Blick des Rezipienten zu schärfen.

„Glück. ein Kompendium“ greift unterschiedliche Positionen zum Glück auf. Es zeigt einen Querschnitt aus bereits existierender Literatur sowie selbst verfassten Texten. Die zum Teil verstaubten und sprachlich schwer verständlichen Inhalte von Aristoteles bis hin zu Schopenhauer uvm. werden visuell und inhaltlich mit folgenden Kapiteln: Fortuna, Freudenrufe, Glücksatlas, Hormone, Hectors Reise, Interview, Kurzgeschichten, Märchen, Musik und Philosophie verständlich aufbereitet und ins 21. Jahrhundert transkribiert.

Betreuung: Prof. Nora Gummert-Hauser und Dipl. Des. Guido Schneider