Tunichtgut/Taugenichts – Bianca Berning

Konzeption und Entwurf einer Print-Publikation zum Thema „Haftbedingungen, Strafzweck und Resozialisierung von Gefangenen.“

Diplom

„A cell is a cell is a cell is six walls and one steel door" – Nico van Apeldoorn

Unsere Zeitungen und Fernsehnachrichten sind täglich gefüllt mit Meldungen über Verbrechen. Besonders grauenerregende Taten sind oft tagelang sehr präsent in den Schlagzeilen. Bei den Lesern und Zuschauern führt das schnell zu einer Überbewertung – man geht davon aus, dass es heutzutage weitaus mehr und auch grausamere Verbrechen gibt als noch vor ein paar Jahren.

Das Bundesministerium des Innern zeigt mit seinen jährlichen Kriminalitätsstatiken allerdings einen ganz anderen Trend auf. Gerade die Taten, die von der Bevölkerung als besonders bedrohlich empfunden werden – wie Mord, Totschlag und Vergewaltigung – nehmen kontinuierlich ab. In das Bewusstsein der Gesellschaft gelangen diese Tatsachen aber nicht. Massenmedien erschleichen sich die Aufmerksamkeit der Leser und Zuschauer durch Ausschlachten der Meldungen, ständige Wiederholung und unangebrachte Skandalisierung der Taten.

Die Rufe der Bevölkerung nach härteren Strafen setzen die Politik stark unter Druck. Gerade im Wahlkampf können deshalb wertvolle Stimmen mit populistischen Forderungen nach härteren Strafen gewonnen werden. Der gesetzliche Strafrahmen wird angehoben und die Gerichte sehen sich gezwungen, vermehrt längere Freiheitsstrafen zu verhängen.

Die Zahl der Gefangenen und die Länge der Haftstrafen – und mit ihnen die Belastung für den Steuerzahler – nehmen also zu. Die Justizvollzugsanstalten sind angehalten, zu sparen und das an erster Stelle an den Therapieangeboten für die Gefangenen – wie Schul- und Berufsbildung oder soziale und psychologische Betreuung. Die Gefängnisse in Deutschland werden also mehr und mehr zu Verwahranstalten. Die Folge sind Verbrecher, die sich in ihrer Haftzeit weder mit ihrer Tat beschäftigt haben, noch auf ein gewalt- und straffreies Leben nach der Haft vorbereitet wurden. Die meisten Verbrechen geschehen, weil die Täter sich nicht anders zu helfen wissen. Sie haben nie gelernt, ihre Probleme zu lösen. Gelangen sie dann in eine Situation, die sie überfordert – wie Geldnot oder zerbrochene Familienstrukturen – sehen sie ihre einzige Lösung in der Straftat.

Eine Strafe, die nur das Ziel hat, die Bevölkerung durch langes Wegsperren zu schützen und keine Hilfe anbietet, die Persönlichkeitsstörungen der Gefangenen zu behandeln, ist absurd. Nach einer solchen Haft ist die Wahrscheinlichkeit umso höher, wieder in alte Verhaltensmuster zu verfallen und erneut Straftaten zu begehen.

Die Medien bewirken durch ihre einseitige und falsch gewichtete Berichterstattung also vor allem einen Schaden für die Bevölkerung. Das ist ein gewaltiges Kommunikationsdefizit. Mit dieser Arbeit möchte ich auf diesen Missstand aufmerksam machen und der Gesellschaft die Möglichkeit geben, die Zusammenhänge zu verstehen und die Furcht vor Straftätern zu verlieren.

Betreuung: Prof. Nora Gummert-Hauser und Dipl.-Des. Fritjof Wild