La Vida en Ruinas – eine Dokumentation – Antje Breuers

Diplom

Antje Breuers entdeckte ihr Thema zum Diplom zufällig. Während eines Sprachurlaubs in Nicaragua und durch den Kontakt zu einer Schweizer Grafik Designerin, die in Managua an der dortigen Hochschule unterrichtet, hörte sie erstmals von dem Erdbeben am 25.12.1972 in Managua, welches große Teile der Innenstadt komplett zerstörte. Erste Aufnahmen entstanden in den Ruinen, die früher von den Reichen der Stadt und heute von den Armen dort bewohnt werden. Zurück in Deutschland, ließ sie das Thema nicht mehr los und sie beschloss, anlässlich ihres bevorstehenden Diploms, eine Fotoreportage über die heute dort lebenden Menschen zu machen.

Sie bereitete einen zweiten 4-wöchigen Aufenthalt vor und begann zu recherchieren. Vor Ort konnte sie dann durch den vorbereiteten Kontakt unter erschwerten Umständen in den Ruinen fotografieren. Die Gegend ist äußerst unsicher und Taxifahrer wollten sie nicht dort aussteigen lassen. Geschützt durch ihre Kontaktfamilie – Karen, die mit ihren drei Kindern in den Ruinen lebt und deren Vertrauen sie erworben hatte – entstanden während ihres Aufenthaltes Hunderte von Aufnahmen von unglaublicher Eindringlichkeit und Prägnanz, die uns ein Leben zeigen, welches in unserem Kulturkreis nicht vorstellbar ist. Die Aufnahmen sind nie l'art pour l'art, man spürt in Ihnen den Respekt, den Antje Breuers den fotografierten Persönlichkeiten entgegenbringt. Es wird auch nie um falsches Mitleid gebuhlt. Die Aufnahmen zeigen, dass auch andere Leben lebenswert sind und sie können für denjenigen, der sich auf diese Bilder einläßt zu einem Korrektiv werden. Aber jedwede moralische Attitude ist ihr fremd. Antje Breuers macht aufmerksam auf eine vergangene Katastrophe, die aus unserem Blickwinkel längst verschwunden, noch heute in Managua eng mit dem Leben der Menschen verzahnt ist. Sie schaut, hört zu, hält fest, recherchiert im historischen Institut von Managua, nimmt Kontakt auf zu Personen, die vorher in den Gebäuden gewohnt haben, um ihren Blickwinkel zu schärfen.

Zurück in Deutschland spürt man ihr in ersten Gesprächen noch an, wie verwoben sie mit Karens' Geschichte ist und wie schwer es ihr fällt, jetzt eine Auswahl der Bilder zu treffen. Sie schafft es sich zu lösen und erstellt in kurzer Zeit einen aussagekräftigen Bildband: La Vida en Ruinas. Es gelingt ihr hier ein kommunikatives Bravourstück – nicht nur die Bilder, die in alter guter Fotografen-Manier weder beschnitten sind, noch am Rechner verfremdet wurden, sind von großer Aussagekraft, auch alle anderen gestalterischen Parameter wie Format, Farbe und Typografie sind sensibel gewählt und zeigen im Zusammenspiel eine herausragende Arbeit von hoher gesellschaftlicher und kommunikativer Relevanz.

Betreuung durch Prof. Nora Gummert-Hauser und Prof. Jochen Stücke