Orientierungskonzept
Campus Krefeld Süd – Adele Hoefs

BA-Thesis

«sich orientieren ist nicht eine gabe, ein vermögen, das man hat oder nicht. es ist eine voraussetzung, überhaupt existieren zu können. die ansprache auf jede art von umfeld ist ein teil unserer existenz. mit jeweiliger ortsbestimmung leben ist die voraussetzung unserer freiheit, unseres selbstbewusstseins. zu wissen, wo ich bin, wo ich mich befinde, ist die vorraussetzung dafür, wohin ich mich zu bewegen habe, so oder so.» – Otl Aicher

Ich wollte eine Aufgabe finden, welche real umsetzbar und für mich relevant ist: Ein Orientierungssystem für die Hochschule Niederrhein. Und zwar innerhalb der Vorgaben des aktuellen Corporate Design. Die Hausschriften der Hochschule sind die Helvetica und die Times. Für die Orientierung wurde die Neue Haas Grotesk eingesetzt, die eine digitale Weiterentwicklung der Helvetica ist, sich jedoch auf die wesentlichen Merkmale der Helvetica rückbesinnt, die im Laufe der Jahre verloren gegangen sind. Zuerst machte ich mich an die Bestandsaufnahme, um dann zu einer realisierbaren Lösung in kleinen Schritten zu gelangen. An dieser Stelle kann ich nur einen kleinen Einblick in den Gesamtumfang geben.

Bei den Gebäuden der Hochschule existiert eine vielfältige Schilderwüste, die statt zur Orientierung zur völligen Verwirrung führt. Relikte aus verschiedensten Varianten des Corporate Designs führen ein Parallelleben in den kleinen Rahmen der Türschilder. Und nicht nur das. Jeder, der es für sinnvoll hält, ergänzt sein eigens gestaltetes Hinweis- und mit besonders großer Vorliebe auch Verbotsschild. Betrete ich ein mir noch unbekanntes Gebäude, werde ich zuerst instruiert, was ich doch bitte unterlassen solle und welche Flure ich wohl lieber nicht betreten solle. Anstatt mich – wie es eigentlich mein Wunsch ist – willkommen zu fühlen, bin ich verwirrt und nahezu verschreckt, da ich nach einiger Zeit, überhaupt nicht mehr weiß, was ich denn noch darf oder ob ich lieber wieder gehen sollte. Für das Orientierungssystem KR—Süd wurden folgende Informationsinhalte neu konzipiert:

Typografie/ Piktogramme
Die Hausschrift Helvetica habe ich für den Einsatz in einem Orientierungssystem zur Helvetica Wayfinding überarbeitet: Das große I bekommt Serifen und der Zeichenvorrat wird um die für das Orientierungssystem notwendigen Piktogramme ergänzt.

Lageplan/Raumpläne
Für eine optimale Übersichtlichkeit und das schnelle Auffinden von Zielen gibt es einen Campusplan im Hosentaschenformat und Raumpläne im DIN A1 Format, welche in den Gebäuden aufgehängt werden.

Türschilder
Hier kommen quadratische Tafeln zum Einsatz. Diese dienen als Mitteilungsfläche für Termine, Raumwechsel, Kontaktdaten...

Innenbeschriftung
Im Gegensatz zum jetzigen System werde ich nicht mit Schildern arbeiten, sondern die Informationen direkt in den Gebäuden anbringen. Die Typografie soll eine Einheit mit den jeweiligen Gebäuden und Räumen eingehen. Sie soll sich in den Raum einfügen und auf die vorhandenen Begebenheiten reagieren.

Flucht-/Rettungswege

Um den deutschlandweiten Standard einzuhalten, werden alle Fluchtwege zum nächsten Ausgang anhand von grünen Pfeilen auf dem Boden angezeigt. Hinweise auf Feuerlöscher und Notfalltelefone werden mit roten Pfeilen hervorgehoben. Damit nicht noch weitere Farben von diesen Hinweisen ablenken, werden alle weiteren Angaben neutral in Schwarz gehalten.

Außenbeschilderung
Die Gebäude werden von außen mit den ihnen zugewiesenen Buchstaben versehen. Diese werden so angebracht, dass man diese aus dem größtmöglichen Betrachtungsabtstand auf dem Campus noch gut erkennen kann. Abends werden die Buchstaben hinterleuchtet.

Betreuung: Prof. Nora Gummert-Hauser und Dipl. Des. Thomas Junold